Mit Handicap mobil?

Nach Unfall oder Krankheit stürzt oft eine Welt ein, denn man ist nicht mehr mobil und frei – sondern abhängig! Laut Gesetz ist jeder für sich selbst verantwortlich. Das bedeutet, dass nach Unfall oder Krankheit nicht das subjektive Gefühl wieder fit zu sein ausreicht, um wieder auf dem Fahrersitz Platz zu nehmen. Gerne wird beispielsweise der sogenannte „Waschzettel“ sprich der Beipackzettel von Medikamenten, konsequent ignoriert. Auch ärztlicher Rat oder die explizite Aussage eines Arztes, dass man momentan nicht aktiv am Straßenverkehr teilnehmen soll, werden gerne überhört. Man kennt sich ja selbst doch am Besten und  möchte in seiner Komfortzone bleiben. Und wer gesteht sich schon gerne ein, dass man doch nicht mehr „ganz der Alte“ ist?

Hat man früher in der Fahrschule nicht gut aufgepasst, dann erinnert man sich auch nicht mehr daran, dass man selbst für seine Fahrtüchtigkeit verantwortlich ist. Doch zur Verantwortung kommt noch das Können. Und jetzt wird es erst richtig spannend. Ist man sich darüber im klaren, dass man die Weichen neu stellen muss, beispielsweise nach Querschnittlähmung oder Unterschenkelamputation, dann muss man schauen, wie es weitergeht. Muss ein neues Auto gekauft werden? Kann das aktuelle Auto umgebaut werden? Wer kommt für die Kosten auf? Kann das Fahrzeug auch von Menschen ohne Handicap gesteuert werden? Wie sieht es versicherungstechnisch aus? Hat das auch Auswirkungen auf die KFZ-Steuer? Diese und viele andere Fragen stellen sich dann automatisch.

Nachdem ein Problem nach dem anderen aufgetaucht ist geht es darum, strukturiert Lösungen zu finden. Und damit kann man schon in der Reha beginnen. Unabhängig davon ob es ein Arbeitsunfall war, bei dem die Berufsgenossenschaft involviert ist oder nicht, man sollte die Zeit in der Reha nicht nur für die körperliche Fitness nutzen, sondern sich informieren, wie sich die spätere Mobilität gestalten lässt.

Einer der ersten Schritte hierzu ist sich zu informieren, wie es fahrtechnisch weitergeht. Wir werden hier nicht alle technisch möglichen Umbaumaßnahmen aufzählen, denn das ist das Spezialgebiet der darauf spezialisierten Fahrzeugumbauer. Unsere Aufgabe ist es Sie bei den ersten Stunden im Straßenverkehr optimal zu unterstützen. Sowohl mit einem entsprechend auf Ihre Bedürfnisse angepassten Fahrzeug als auch mit einem Verkehrsintegrationsprogramm, dass Ihnen unter den neuen Bedingungen optimale Unterstützung bei der Umstellung Ihrer Routinen hilft und Ihnen die nötige Sicherheit zur entspannten Teilnahme am Straßenverkehr vermittelt.

Grundsätzlich beginnen wir möglichst in einem verkehrsarmen Bereich, damit Sie in Ruhe Gelegenheit haben, sich mit den vorgenommenen Umbauten und deren Bedienung vertraut machen können. Jetzt wird mancher erfahrene Autofahrer sagen, dass man dafür doch keine professionelle Hilfe braucht, vor allem, wenn man schon viele km zurückgelegt hat. Doch hier sind Fakten zu beachten, die auf den ersten Blick nicht offensichtlich sind. Einerseits muss man nachweisen, dass man in der Lage ist, sicher ein Fahrzeug zu führen. Ob hierfür eine offizielle Überprüfung nötig sein wird ist im individuellen Fall zu prüfen. Aber auch wenn dies nicht so ist, ist man trotzdem gut beraten, mit einem Mobilitätscoach an seiner Seite die ersten Fahrversuche zu unternehmen. Sollte man das Pech haben, in einen Unfall verwickelt zu werden so kann man der gegnerischen Versicherung nachweisen, dass man sehr wohl in der Lage war, das Fahrzeug korrekt und sicher zu führen um mögliche Rufe nach einer Mitschuld  bereits im Keim ersticken zu können und keine Mithaftung tragen zu müssen.